Ein sanftes Klingeln begleitete mein Eintreten. Als die Tür hinter mir zuschwang, sperrte sie den schneidenden Wind und die davon vorangetriebene Kälte aus. Im Laden war es warm, es roch nach herbem Holz und würzigen Kräutern. Das warme Licht, das durch das Schaufenster auf das Grau der Straße gefallen war, hatte mich angezogen. Normalerweise hetzte ich immer an solchen Läden vorbei, doch jetzt fragte ich mich, warum.
Es war schön hier. Vielleicht etwas eng und vollgestellt, doch alles wirkte am Platz; genau richtig da, wo es war. Figuren, vorrangig von Tieren, dazu Anhänger, Kästchen, Spielzeuge. Lauter netter Kleinkram, etwas Schmuck, ein paar praktische Sachen, wie verzierte Dosen oder Kämme.
Ich schlenderte an den Regalen und Tischchen entlang, betrachtete hier die wunderschöne Maserung eines Armbands aus Holz, strich dort mit leichten Fingerspitzen über eine wundersam glatte kleine Kugel auf einem Kissen. Die einzige Unregelmäßigkeit wurde von einer Prägung in Form eines Farnwedels gebildet, so zart und detailliert, dass ich mich fragte, wie der Künstler das hinbekommen hatte. Wenn ich ganz genau hinsah, ging da eine Welle durch die winzigen Blätter?
Ich schmunzelte über meine Sinne, die mir einen Streich spielten. Ich war wirklich gestresst in letzter Zeit. Es war wohl ganz gut, dass ich eine kurze Pause machte. Manchmal waren es gerade die kleinen Dinge, die unbedeutend schienen, die einen aus dumpfen, unangenehmen Gedanken herauszogen. Doch eigentlich hatte ich keine Zeit dafür.
Ohne es zu merken, war ich am hinteren Ende des kleinen Ladens angekommen, wo mich eine junge Frau mit lockigen rotbraunen Haaren hinter einem schmalen Tresen anlächelte.
„Suchen Sie etwas Bestimmtes?"
„Ach, nein. Ich schaue nur."
Sie nickte. „Lassen Sie sich Zeit. Draußen ist ja nicht gerade angenehm." Mit einem Zwinkern hob sie mir eine Tasse zum Gruß entgegen. Der Geruch der Kräuter wurde intensiver, wehte in einer wärmenden Brise zu mir herüber.
Ich entspannte mich. Ich mochte es nicht, wenn mir die Verkäufer im Nacken saßen und mich drängten, etwas zu kaufen.
Den ganzen Tag waren meine Gedanken wie das Wetter gewesen. Grau, trübe, verhangen, ungemütlich. Doch jetzt atmete ich freier, mein hektischer Puls war zur Ruhe gekommen. Die ausgestellten Stücke waren von einer Schlichtheit, die mir Ausgeglichenheit schenkte. Verschiedene Holzarten und andere natürliche Materialien, wie kleine Edelsteine oder Tannenzapfen, schmiegten sich harmonisch ineinander.
Ein Durchgang? Neugierig warf ich einen Blick durch die offenstehende schmale Tür. Ach, die Werkstatt.
Ein Mann stand, halb mit dem Rücken zu mir, an einer Werkbank und hantierte anscheinend gerade mit einem neuen Stück für den Laden herum. Ich konnte nicht gut sehen, an was er arbeitete, aber es schien eine Art Miniaturlampe zu sein, geformt wie eine Blume, deren Blüte geöffnet nach unten zeigte. Ein sanfter Schimmer drang aus dem Lampenschirm hervor. Der Schwung des grünen Stiels hatte sich verändert, als ich ihn das nächste Mal sah. War das Draht? Oder bog der Mann Holz mit Dampf in eine andere Form?
Irgendetwas irritierte mich, doch ich brauchte einen Moment, bis ich erkannte, was es war. Es lagen zwar Werkzeuge auf dem Tisch, doch sie glänzten, als seien sie nie benutzt worden. Es gab keine Reststücke, keine Holzspäne, keine Tiegel mit Farben zum Bemalen.
Unter den Händen des Mannes öffnete sich der Blütenkelch plötzlich etwas mehr und das Leuchten wurde intensiver. Überrascht atmete ich lauter als beabsichtigt ein. Wie macht er das?
Er hatte mich bemerkt und warf mir über die Schulter ein Lächeln zu, die Augen im Schatten seiner halblangen rotbraunen Haare verborgen. Dieses Lächeln kannte ich schon.
„Tee?"
Ich fuhr zusammen. Die junge Frau war an mich herangetreten und drückte mir eine Tasse in die Hand.
„Ich..."
Sie lächelte wieder und ihre Augen blitzten vergnügt.
„Trinken Sie nur. Sie müssen früh genug wieder hinaus ins Nasskalte."
Sie blickte an mir vorbei in die Werkstatt und nickte leicht.
„Faszinierend, nicht wahr? Mein Bruder ist ein echter Künstler. Er arbeitet besonders gerne mit Pflanzen. Ich bin eher für die Tiere zuständig."
„Wie...?" Weiter kam ich nicht. Sie schaute wieder zu mir. Ihre Augen hatten verschiedene Farben, wie mir jetzt erst auffiel, eines Grün, das andere Blau.
Ich wollte nicht starren und nippte aus Verlegenheit an meinem Tee. Er hatte eine perfekte Trinktemperatur und rieselte sofort Wärme durch meinen ganzen Körper. Die Kräuter waren herb, aber nicht zu stark. Ich versuchte erst gar nicht zu erraten, welche Zutaten der Tee hatte; dafür kannte ich mich zu wenig aus.
Mit einem wohligen Seufzen nahm ich einen weiteren Schluck.
„Der ist gut, danke."
„Na, gerne!" Sie strahlte mich an und die Wärme des Tees stieg mir langsam auch in den Kopf.
„Brauchen Sie noch etwas?" Ihre freundliche Stimme drang nur gedämpft an meine Ohren. Eine entspannende Schwere füllte mich. Hatte ich nicht etwas fragen wollen? Ich konnte den Gedanken nicht klar fassen, also ließ ich ihn los.
Meine Augen schlossen sich; ich konnte nichts dagegen tun. Ich spürte nur noch Wärme, in meinen Händen, in meinem Herzen, in meinem Kopf.
„Ich glaube... ich glaube, ich brauche eine Pause."
Ich rieb mir mit zwei Fingern über die Augenlider. Was eine Kälte. Und dieses ständige Grau zog wirklich an meinen Nerven.
Warum war ich stehengeblieben? Ich musste schnell weiter, hatte keine Zeit, hatte noch so viel zu tun.
Plötzlich bemerkte ich, dass ich mit der anderen Hand etwas umklammert hielt. Das grelle Licht der Straßenlaterne drang durch den Nieselregen nur unzureichend zu mir herunter, doch ich konnte die Umrisse einer kleinen Figur erkennen. Ich hob sie näher an mein Gesicht, um sie zu betrachten. War das ein Eichhörnchen? Ja, zusammengerollt, als läge es im Winterschlaf, den Schwanz über die Nase gelegt, wohlig eingekuschelt. Wie von selbst hoben sich meine Mundwinkel. Die Details waren unglaublich und die Miniatur, anscheinend aus Holz, war warm.
Wie lange hielt ich sie schon? War es überhaupt meine? Ich konnte mich nicht erinnern, sie gekauft oder gefunden zu haben.
Wieder blickte ich auf das kleine Tier in meiner Hand. Es schien fast, als könnte ich den ruhigen Atem sehen, der, nur ein winziges Bisschen, die Seite des Eichhörnchens hob.
Huh, das war wahrscheinlich kein gutes Zeichen.
Ich atmete tief durch, fühlte die Nässe auf meinem Gesicht und meinen Händen, die Kälte, die mich durch meine Kleidung biss. Ich war erschöpft, so lange schon, dass es sich normal anfühlte gehetzt und müde zu sein.
Das geht so nicht weiter.
Ich strich über den Rücken der Tierfigur, nickte ihr zu, auch wenn ich mir albern dabei vorkam.
Eine Pause. Ich würde mir eine Ruhepause gönnen.
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