„Und? Wie ist es?"
Ich lächelte. „Überwältigend."
Der Geruch des Meeres hatte sich als salziger, aber nicht unangenehmer Geschmack auf meiner Zunge niedergeschlagen. Meine Zehen gruben sich nackt in den Sand, obwohl die Temperaturen dafür eigentlich nicht geeignet waren. Es war mir egal. Ich fror nicht.
Ein leichter Wind streichelte mein Gesicht, kühl, ein wenig rau. Ich meinte zu hören, wie die Wellen mit ihm im Gleichklang an das Ufer brandeten. Mein Herzschlag schien den Rhythmus aufgenommen zu haben. Bedächtig, stark, beruhigend.
„Komm, krempel deine Hosenbeine hoch. Ich will näher ran."
Ich nickte. Ihre Begeisterung war ansteckend. Ich brauchte sie nicht zu sehen, um um das wilde Grinsen auf ihrem Gesicht zu wissen, das jedes Mal eine kleine Flamme in meinem Bauch entzündete.
Kurz wurde mir schwindelig, als ich in die Knie ging, doch es war schnell vorbei.. Ich legte die Finger um den Rand des Stoffes und beeilte mich, meine Hose zu kürzen. Aufregung hatte mich jetzt erfasst und ich stand schneller wieder auf als gut für mich war.
Ihr Arm hakte sich zielstrebig bei mir ein, als ich für einen Moment schwankte, und plötzlich musste ich lachen.
„Was hast du?"
Ich atmete tief ein, schmeckte das Salz, das Herbe, die Weite des Ozeans. Schnaubend entließ ich die Luft wieder.
„Schon gut." Ich drückte ihren Arm, um sie zu beruhigen. „Es ist alles gut. Lass und gehen."
Gemeinsam setzen wir uns in Bewegung und das Rauschen der Wellen, das Schwappen und Gluckern, wurde immer lauter. Meine Füße sanken bei jedem Schritt in den rieselnden Untergrund ein und ich kämpfte ein wenig um mein Gleichgewicht. Dann spürte ich, wie der Sand sich veränderte, fester wurde, kühler. Erst feucht, dann nass.
„Achtung, Welle!"
Ihre Warnung kam etwas zu spät und der Schock des eiskalten Wassers traf meine Füße und Knöchel. Ich quietschte kurz auf, doch ich wich nicht zurück. Dann lachte ich wieder.
Das hier war gut. Es war wichtig.
Ich lehnte mich hinüber und flüsterte: „Danke."
Mit einem Drücken ihrer warmen Hand bestätigte sie mir, dass sie mich gehört hatte, obwohl das ständige Auf und Ab des Meeres unsere Ohren füllte. Ich musste sie nicht sehen können, um ihr Versprechen zu erkennen.
Die kleinen Wellen umspülten meine Haut, streichelten mich, bissen mit winzigen, kalten Zähnchen. Mit geschlossenen Augen horchte ich auf den Sog, der das Wasser um meine Füße wirbelte.
Ich musste den Ozean nicht sehen können, um seine Gewaltigkeit, seine Lebendigkeit zu spüren. Seine Natur war die stetige Veränderung.
Ich wusste mit einem mal, ich würde es schaffen. Ich konnte mich anpassen und, zumindest ein wenig, wie das Meer sein.
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